Nach der Saison ist vor der Saison
Andermatt, 26. August 2026
Skitour statt Rennpiste, Hörsaal statt Starthaus und zwischendurch Arbeit auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb: Wenn die Weltcup-Saison vorbei ist, beginnt für mich eine ganz andere Zeit des Jahres. Ruhig wird es dabei aber noch lange nicht. Denn bereits wenige Wochen nach den letzten Rennen startet die Vorbereitung auf den nächsten Winter.
Wenn der Rennzirkus langsam zur Ruhe kommt
Mit dem letzten Weltcup-Rennen ist meine Saison noch nicht ganz vorbei. Bis etwa Mitte April stehen normalerweise weitere Trainings, die Schweizer Meisterschaften und verschiedene Sponsoren-Skitage mit Swiss-Ski auf dem Programm. Gleichzeitig wird es nach den intensiven Wintermonaten langsam etwas ruhiger. In dieser Zeit bleibt aber auch Raum, gemeinsam auf die vergangene Saison anzustossen, Erfolge zu feiern und sich auch einmal über Dinge auszutauschen, die nichts mit Hundertstelsekunden, Trainingsplänen oder Skirennen zu tun haben.
Mit den letzten Skitagen Mitte April beginnt für mich jeweils eine rund zweiwöchige Trainingspause. Füsse hochlegen bedeutet das bei mir allerdings nur bedingt. Während andere Athletinnen und Athleten diese Zeit bewusst zur vollständigen Erholung nutzen, stehen bei mir meist Studium und Arbeit im Vordergrund. Da ich neben meiner Sportkarriere an der ETH Agrarwissenschaften studiere, sind diese Wochen ideal, um Studienarbeiten nachzuholen, mich auf Prüfungen vorzubereiten oder mein Praktikum auf einem Milchkuhbetrieb zu absolvieren.
Das Urserntal wird zum Trainingsgebiet
Anfang Mai startet bereits wieder der Aufbau für die kommende Saison. Noch geht es nicht um Bestzeiten oder die perfekte Rennlinie. Zuerst stehen Ausdauer, Kraft und die Grundlagen im Mittelpunkt.


Krafttraining gehört auch im Sommer fest zu meiner Vorbereitung auf die nächste Rennsaison.
Einen grossen Teil meines Ausdauertrainings absolviere ich auf Skitouren. Und dafür könnte ich es kaum besser getroffen haben: Mit den Bergen des Urserntals direkt vor der Haustüre wird meine Heimat zu meinem Trainingsgebiet. Während andernorts längst der Frühling Einzug hält, kann ich hier noch viele Stunden auf den Tourenski verbringen. Für mich ist das eine der schönsten Arten zu trainieren – draussen unterwegs zu sein und gleichzeitig die Grundlage für den nächsten Winter zu legen.



Die Berge des Urserntals sind für mich Heimat und Trainingsgebiet zugleich.
Drei Wochen Vollgas, eine Woche etwas ruhiger
Mein Sommer folgt einer klaren Struktur: Auf drei intensive Trainingswochen folgt jeweils eine lockerere Woche. Seit zwei Jahren gehört zudem eine bewusst eingeplante Skipause bis Mitte Juli zu meinem Trainingskonzept. Nach einem langen Winter tut es gut, die Ski für eine Weile zur Seite zu stellen.
Diese Zeit nutze ich, um meinen Hobbys wie Klettern oder Slacklinen nachzugehen und auf dem Familienbetrieb mitzuhelfen. Gerade dieser Kontrast zum Leistungssport ist für mich enorm wichtig. Draussen in der Natur zu sein, auf dem Hof anzupacken und Aktivitäten nachzugehen, bei denen nicht ständig die sportliche Leistung im Vordergrund steht, hilft mir, mental abzuschalten und neue Energie zu tanken.


Wenn die Ski Pause haben, bleibt mehr Zeit für andere Leidenschaften – zum Beispiel fürs Klettern.
Und wenn der Körper eine Pause verlangt, darf es gerne einmal etwas ruhiger werden – zum Beispiel bei einem Besuch in der Sauna oder im Wellnessbereich.
Zwischen Training und ETH
Besonders herausfordernd wird es, wenn Training und Studium gleichzeitig viel Zeit beanspruchen. Die grossen Prüfungsblöcke an der ETH finden meist im August statt – genau dann, wenn auch das Training intensiv ist.
Ein typischer Tag während einer Trainingswoche? Der beginnt für mich mit einem Spaziergang mit meinen Hunden. Danach gibt es ein ausgiebiges Frühstück und die ersten Stunden am Schreibtisch. Anschliessend folgt die erste Trainingseinheit, danach das Mittagessen und dann geht es wieder zurück an den Schreibtisch. Später steht Training Nummer zwei auf dem Programm. Und wenn es das Wetter und die Arbeiten zulassen, helfe ich am Abend noch ein bis zwei Stunden auf dem Betrieb meiner Eltern mit. Viel Leerlauf bleibt an solchen Tagen nicht.

Anpacken auf dem Familienbetrieb.
Dieses Jahr ist die Situation zum Glück etwas entspannter. Meine Prüfungen sind abgeschlossen und aktuell arbeite ich an meiner Bachelorarbeit. Dadurch bleibt etwas mehr Freiraum, um Training, Studium und Erholung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen und mich auf die kommende Wintersaison vorzubereiten.
Endlich wieder Schnee unter den Skiern
Mitte Juli ist es dann endlich so weit: zurück auf die Ski. Meine ersten Schwünge der neuen Saison mache ich meistens auf den Gletschern in Zermatt und Saas-Fee. Auch wenn ich schon unzählige Tage auf Ski verbracht habe, fühlt sich dieser Moment jedes Jahr besonders an. Nach mehreren Monaten Pause wieder Schnee unter den Skiern zu spüren und an der Technik zu arbeiten, macht einfach Freude.

Zurück auf Schnee – ein Moment, auf den ich mich nach der Sommerpause jedes Jahr besonders freue.
Weniger euphorisch bin ich jeweils bei einem anderen Fixpunkt meines Sommerprogramms: dem Trainingslager in der Skihalle. Ehrlich gesagt kostet mich das jedes Mal ziemlich viel Überwindung. Ich fahre viel lieber draussen in der Natur Ski – umgeben von Bergen, frischer Luft und wechselnden Bedingungen. Im Vergleich dazu wirkt die Skihalle manchmal etwas eintönig.
Sportlich gesehen hat genau das aber einen grossen Vorteil. Die konstanten Bedingungen ermöglichen es, technische Elemente sehr gezielt zu trainieren. Ich kann Bewegungen immer und immer wieder wiederholen, Details verändern und an Abläufen feilen. Manchmal muss man eben auch Dinge machen, die einem nicht unbedingt am meisten Spass machen, wenn sie einen sportlich weiterbringen. Und am Ende profitiere ich jedes Jahr von diesen Trainingseinheiten.
Der nächste Winter rückt näher
Mit den ersten Schneetrainings nimmt die Vorbereitung auf den Winter Fahrt auf. Die Einheiten werden spezifischer, die Intensität steigt und der Fokus richtet sich zunehmend auf die kommende Rennsaison.
Hinter mir liegen Monate voller Kontraste – Skitouren und Krafttraining, ETH und Landwirtschaft, Klettern und Skihalle, intensive Trainingstage und bewusste Erholung. Und genau diese Abwechslung brauche ich. Denn wenn der Winter wieder vor der Tür steht, freue ich mich darauf, dass sich mein Alltag erneut immer stärker um das dreht, was ich am liebsten mache: Skifahren.
