Wenn die Alpenpässe aus dem Winterschlaf erwachen
Andermatt, 20. Mai 2026
Wenn sich der Winter langsam zurückzieht und die Tage länger werden, beginnt in unserer Region eine ganz besondere Zeit. Während unten im Tal bereits die ersten Blumen blühen und die Temperaturen steigen, liegen die Alpenpässe teilweise noch immer tief unter Schnee verborgen. Genau dann startet im Kanton Uri eine der eindrücklichsten Arbeiten des Jahres: die Schneeräumung der Alpenpässe.

Blick auf den verschneiten Furkapass
Zwischen Winter und Frühling
Oberalp-, Gotthard-, Furka- und Sustenpass sowie weitere Alpenpässe in und rund um die Ferienregion Andermatt sind jedes Jahr während mehrerer Monate gesperrt. Schnee, Eis und Lawinen machen die Strassen unpassierbar. In der Regel dauern die Wintersperren von Oktober bis weit in den Frühling oder sogar bis in den Frühsommer hinein.

Schritt für Schritt wird die Passstrasse freigelegt.
Sobald es die Bedingungen zulassen, beginnen die Räumungsarbeiten, in der Regel ab Mitte April. In den Monaten April bis Juni stehen pro Pass rund zehn Mitarbeitende im Einsatz, um die Passstrassen wieder befahrbar zu machen – jeweils auch auf der gegenüberliegenden Seite des Nachbarkantons.
Dabei geht es um weit mehr als nur um die Schneeräumung: Umfangreiche Felsräumungen werden durchgeführt, Rinnen, Durchlässe und Fahrbahnen gereinigt sowie Leitplanken, Verkehrsschilder und Sicherheitsanlagen freigelegt, kontrolliert und wieder montiert. Zudem werden Schäden am Strassenbelag und an der Infrastruktur, die durch den Winter entstanden sind, behoben und instandgesetzt. Erst wenn sämtliche Arbeiten abgeschlossen und alle Sicherheitskontrollen erfolgt sind, kann eine sichere Öffnung der Passstrassen gewährleistet werden.
Giganten im Einsatz
Besonders eindrücklich zu beobachten sind die Vorbereitungsarbeiten am Furkapass, einem der spektakulärsten Alpenpässe der Schweiz: Schneefräsen arbeiten sich langsam vorwärts, Meter für Meter, durch hohe Schneewände – stille Zeugen eines langen Winters.

Präzise Räumungsarbeiten entlang der Passstrasse.
Wir durften die Räumungsarbeiten vor Ort begleiten und hautnah miterleben, mit welcher Präzision, Erfahrung und Ruhe die Teams dabei vorgehen. Was von aussen spektakulär wirkt, ist in Wirklichkeit hochkonzentrierte Arbeit unter teils sehr anspruchsvollen Bedingungen.

Moderne Technik unterstützt die Planung und Überwachung der Schneeräumung.

Echtes Teamwork: Die Schneeräumung der Alpenpässe erfordert Erfahrung, Koordination und starke Maschinen.
Die Arbeit ist alles andere als Routine. Die Mitarbeitenden des Kantons Uri beurteilen die Lawinensituation laufend und planen die Einsätze entsprechend. In kritischen Situationen wird die Lawinenzentrale des Bundes beigezogen. Wetterumschwünge, Neuschnee oder instabile Schneeschichten können den Ablauf jederzeit verändern. Sicherheit hat deshalb oberste Priorität. Erst wenn keine akute Gefahr mehr besteht, kann die Strasse Schritt für Schritt für den Sommer vorbereitet werden.

Volle Kraft im Einsatz: Die Schneefräse befreit die Passstrasse.
Dabei entstehen eindrückliche Bilder: enge Schneekorridore, weisse Wände und mittendrin die Maschinen, die sich unermüdlich ihren Weg bahnen.
Mehr als nur Schneeräumung
Die Schneeräumung der Alpenpässe markiert den Übergang vom Winter in den Sommer und damit den Start in die Saison für viele Passliebhabende.

Kurve für Kurve wird die Strasse freigelegt.
Sobald die Strassen öffnen, sind sie zurück: Rennradfahrerinnen, Motorradfahrer und Ausflügler, die die kurvenreichen Strecken und spektakulären Ausblicke geniessen. Die erste Fahrt über einen frisch geöffneten Pass ist für viele ein besonderes Erlebnis. Was dabei oft vergessen geht: Hinter jeder offenen Passstrasse stecken Wochen voller intensiver Arbeit, präziser Planung und grossem Respekt vor der Natur. Und wer die Räumungsarbeiten einmal selbst miterlebt hat, weiss: Hier wird nicht einfach nur Schnee beiseitegeschoben.
